Uriah-Heep-Konzert
| Vielen dank an Andreas Schulz | |
| Uriah Heep in Munich Deutschland | 11-04-01 |
Fass aufgemacht
Ein paar langmähnige Musiker auf Plateausohlen, die Instrumente wie Stimmen laut aufheulen lassen, psychedelische Balladen mit verblüffender Lyrik: „Da war ich an einem Juli-Morgen und hielt Ausschau nach Liebe“ – wer als Jugendlicher in den Siebzigern voll abheben wollte, brauchte gar keine Drogen. Von derart schwülstigen Erinnerungen leben heute ganze Zweige der Musikindustrie. Zweifel über Sinn und Zweck einer Veranstaltung wie dem Uriah-Heep-Konzert in der rappelvollen Muffathalle waren allerdings nur bei der parodieverdächtigen Vorband Survivor angebracht; die Dickens-Rocker bewiesen mit ihrem knallharten Gig allein, dass sie im Hard-Rock-Metier noch oder besser: wieder zur Weltspitze gehören.
Dabei entsprach die durchweg sympathische Publikumsmischung der eines hiesigen Biergartens: SMS-lesende Handybesitzer, in die Jahre gekommene Biker und ähnliche Freaks, pikiert dreinblickende Anzugträger und aufgewecktes Jungvolk, einträchtig nebeneinander im Takt wippende Ehepaare, einige echt coole Uni-Dozenten sowie – unvermeidlich und vereinzelt – angeschickert- orientierungslose menschliche Dampframmen. Aber sie alle machten gemeinsam ein Fass auf zu Uriah Heeps nostalgisch-peppiger Bühnenshow, mit einem Entertainer (Bernie Shaw) als Mittelpunkt, der bis an seine Zwerchfellgrenzen kam, sang und siegte.
„Return To Fantasy“, „Stealin’“, „Come Away Melinda“ – wer in den letzten Jahren andere Konzerte der Band gehört hat, weiß, dass Oldies dort keine Masche sind. Ist es ohnehin schwer vorstellbar, dass Gitarrist Mick Box seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten Jahr für Jahr Hunderte solcher Konzerte gibt und als Einziger bereits 1969 mit dabei war – dass es dem Mann trotz aller Routine die Laune noch nicht verhagelt hat, dass nicht nur sein Solo in „Look At Yourself“ klingt, als würde er es gerade zum ersten Mal improvisieren, verdient vor allem eines: Respekt.
Und so können die Kollegen ruhig weiter Revivals feiern, es mögen die Youngster Rock wie Pop neu erfinden. Wer jetzt an Ostern geläutert Passionen und Messen sich hingibt und zu Schlagern von wahrer Liebe träumt, der braucht doch nach diesem Abend nicht heimlich ins Kissen zu flüstern: „Schön, dass es das noch gibt.“
MATTHIAS KUHN