Uriah-Heep-Konzert Besprechung

 Manheimer Morgen

Vielen dank an Andreas Schulz und Manfred Helwig ( bilder)
Uriah Heep in Manheim Deutschland 22-04-01


Alte Helden mit Trumpfkarten ROCK: Die Gruppen Uriah Heep und Survivor zu Gast im Mannheimer Capitol Von unserem Mitarbeiter Mike Seifert Es gibt wenige Rockgruppen, die über Jahrzehnte hinweg in ein und derselben Besetzung spielen, und Uriah Heep (England) und Survivor (USA) gehören definitiv nicht dazu. Die einen haben mehr als dreißig Jahre auf dem Buckel, von der Urformation ist nur noch Gitarrist Mick Box übrig; die anderen gibt's auch schon seit Ende der Siebziger, hier ist es Klampfer Frankie Sullivan, der als einziger Überlebender der Originalcrew noch an Bord ist. Derartige Details weiß beileibe nicht jeder Besucher im sehr gut gefüllten Mannheimer Capitol, es erscheint auch nur wenigen Insidern von Bedeutung: Hauptsache, die Musiker machen den Bandnamen Ehre.

Bei Survivor hält sich das im Rahmen dessen, wofür die Kapelle bekannt und auch bei manchen beliebt ist. Eine Stunde lang serviert das Quintett ihren melodischen Rock, der ohne allzu viel Biß auskommt. Derzeit agiert mal wieder Jimi Jamison als Frontmann, was nicht weiter stört, denn von der Combo sind eh nur die beiden "Rocky"-Hits "Eye Of The Tiger" und "Burning Heart" von größerem Interesse, wovon sie den zweiten gar nicht spielen. Die Gäste reagieren eher gelassen. Aufregend wird's erst bei Uriah Heep. Zwar muß auch die legendäre Formation hauptsächlich von ihren alten Hits zehren, aber derer hat sie so viele auf Lager, daß es nicht weiter schlimm ist.

Die Helden von damals sind auch heute noch welche, die unverwüstliche Truppe eröffnet ihren Auftritt vielversprechend mit "Return To Fantasy" und hält das hohe Qualitätsniveau satte 100 Minuten, ohne sich Durchhänger zu erlauben. Neben ein paar neueren Stücken sind es vor allem die Songs aus ihren glorreichen Jahren bis Mitte der Siebziger, als ihre wichtigsten Werke entstanden, mit denen sie auftrumpfen.

Die schließen zünftig dargebotene Interpretationen von "Gypsy", "Look At Yourself" und das überlange, elegische "July Morning" mit ein und gipfeln in einem selten vorgetragenen und von Sänger Bernie Shaw ergreifend intonierten "Come Away Melinda": Das Spektrum reicht bei Uriah Heep von heftigen Krachern über jazzoide Tupfer und psychedelische Einfärbungen bis hin zu gefühlvollen Balladen mit textlichem Tiefgang wie etwa dem Evergreen "Lady In Black", vom Publikum lauthals mitgesungen.

Obwohl die Gruppe nur eine Auswahl ihrer beliebtesten Songs spielen kann - andernfalls müßte sie mindestens doppelt so lange auf der Bühne sein -, braucht sich hernach keiner zu grämen: Erstklassiges Klangwerk in souveräner Präsentation treibt die Fans in jubelnde Ekstase und die Saaltemperaturen in schwindelnde Höhen.

 © Mannheimer Morgen – 25.04.2001