Uriah-Heep-Konzert am Sonntag im Jolly Joker
| Vielen dank an Andreas Schulz | |
| Uriah Heep in Manheim Deutschland | 22-04-01 |
Ohrensausen hat sich wieder gelohnt
Von Karsten Mentasti
Am Anfang stand der Sicherheitsdienst. Wie zu besten Zeiten der
Rolling Stones mussten sich auch die Besucher des Uriah-Heep-Konzerts am Sonntag im Jolly Joker filzen lassen.
Jacken wurden abgeklopft, Hosentaschen durchgeknetet, und
nach durchstandener Prozedur erhielten am Eingang alle Rockfans einen
Stempel: durchsucht und für harmlos befunden!
Kein Wunder, denn die meisten Fans der Altrocker dürften die
40-Jahre-Grenze überschritten haben. Sie hatten kaum im Sinn,
Waffen mit in die zum Konzertsaal umfunktionierte
Großraumdisko zu bringen und wollten auch nichts
Hochprozentiges einschmuggeln. Vielleicht war das so vor 25
Jahren, als nicht nur die Musiker lange Mähne trugen, sondern
auch die Hardrockjünger vor der Bühne. Diesmal ging es den
Ordnern wohl eher darum, mitgebrachte Kameras zu finden, denn
schließlich ist es selbst in Konzerten von Rocklegenden noch strengstens
verboten, eigene Fotos zu schießen. Die 1500 Besucher im ausverkauften Jolly
Joker störte das wenig. Sie wollten in erster Linie in die Ära handgemachten
Hardrocks eintauchen, wollten mal wieder kollektiv zu den alten Hits mitwippen.
Nicht zufällig nennt die fünfköpfige britische Band ihre aktuelle Tournee "The
Legend continues" - die Legende macht weiter.
Uriah Heep, der Name ist einer Romanfigur aus Charles Dickens "David
Copperfield" abgeschaut, braucht auch 31 Jahre nach der Gründung durch die
Schulfreunde Mick Box und David Bryon nicht im Seniorenheim zu spielen.
Gitarrist Box, als einziger noch aus der Starformation dabei, und die anderen vier
Briten Bernie Shaw (Gesang), Trevor Bolder (Bassgitarre), Lee Kerslake (Drums)
und Phil Lanzon (Keyboards) beherrschen nicht nur die Instrumente, den Gesang
und damit ihre zeitlosen Klassiker aus dem Effeff. Die Musiker, allesamt um die
50 Jahre alt und zumindest Kerslake mit unübersehbarem Doppelkinn,
überzeugte auch durch ausgeklügelte Dramaturgie und rockige Vielfalt. Harte
E-Gitarrensoli, krachende Hammond-Orgel, dann wieder Balladen mit der
Akustik-Gitarre - dröhnender Einheitsbrei war und bleibt Uriah Heep fremd.
Der unverkennbare melodische Sound indes lebt weiter.Mick Box und Co., in dieser Formation schon seit zwölf Jahren zusammen, fühlen sich als Rock'n'Roller, sie lieben und leben ihren Beruf. Diese ehrliche Art gefällt dem
Publikum, gerade weil die Musiker ohne Riesen-Lichtshow und sonstiges
Brimborium auskommen. Ein bisschen Nebel am Anfang der hundertminütigen
Show, ein paar gelbe, grüne, blaue und rote Scheinwerfer, das war's. Hardrocker
brauchen nur ihre langen Haare und den herumwirbelnden Mikrofonständer und
leistungsfähige Boxen, um Stimmung zu machen.
Nachdem zu Beginn die kanadische Band Survivor mit dem vergleichsweisen
braven Leadsänger Jimi Jamison eingeheizt hatte - als letztes Stück vor der
Zugabe auch mit ihrem größten Hit "Eye of the Tiger", Titelsong von Rocky III,
hielten die Heeps ihr Publikum noch weitere gut anderthalb Stunden auf Trab.
Mehr noch: Nicht zuletzt aufgrund von Blickkontakt zum Publikum durch
Band-Oldie Box und Shaw steigerten sie die Stimmung kontinuierlich. Bis zum
ewigen Klassiker "Lady in Black", bei dem das Publikum vielstimmig den Refrain
intonierte. Spätestens da war klar: Das Ohrensausen hat sich wieder gelohnt.
Wie vor 25 Jahren.
24.04.2001
© Braunschweiger Zeitungsverlag 2001